Klein, familiär und mehrsprachig

Klein, familiär und mehrsprachig

An der "Regenbogen"-Grundschule kommen die meisten Kinder aus türkischstämmigen Familien – aber allmählich wird’s gemischter.

Lehrerin Öznur Eser (links) ist immer für Fragen da, aber die Kinder lernen weitgehend selbstständig – auch an der Tafel, wo Tobias (mit orangefarbenem T-Shirt) gerade gerechnet hat. Foto: Ingo Schneider

WALDSEE. Wie viel ist 17 + 1? Tobias (7) schreibt die Lösung an die Tafel. Schwer war das nicht. Immerhin dreht sich alles um die Zahl 18 in der ersten Klasse der privaten "Regenbogen"-Grundschule, die der Verein "Akademische Plattform" vor zweieinhalb Jahren eröffnet hat. Die türkischstämmigen Gründer betonten von Anfang an, dass sie keine "türkische Schule", sondern für Kinder mit möglichst gemischten Hintergründen da sein wollen. Inzwischen gibt’s auch zwei Schüler mit deutschen Eltern. Tobias ist einer von ihnen.

Groß prangt die 18 an der Tafel. Darüber geklebt sind die Zahlen 1 bis 17 – die kennen die Kinder schon. Die Klassenlehrerin Öznur Eser, die gleichzeitig die Schulleiterin ist, hat ein Arbeitsblatt zur neuen Zahl vorbereitet. Tobias und sein Banknachbar Mohammed (7) malen drin herum – 18 Finger werden bunt, ein Indianer mit 18 Vögeln auch. Zwischendrin gehen sie nach vorn und schreiben Lösungen an die Tafel. Die acht Jungs und fünf Mädchen arbeiten selbständig, Öznur Eser geht durch die Reihen. Als Mohammed vor der Tafel steht und Aufgaben abschreibt, ruft Tobias: "Mohammed, was machst du?" Die zwei sind Freunde, sie machen viel zusammen.

 


Tobias findet es nicht schlimm, dass die anderen Kinder in seiner Klasse Türkisch sprechen können, alle außer ihm. Meist spielt das keine Rolle. In der Schule soll Deutsch geredet werden. Trotzdem gibt’s ab und zu Ausnahmen, wenn die Kinder draußen spielen. Pascal (8), das einzige deutsche Kind in der zweiten Klasse, stört das mehr als Tobias: Er würde gern immer alles verstehen, erzählt er.

Tobias und Pascal sind nicht die Einzigen, die kein Türkisch sprechen. Es gibt unter den derzeit 26 Schülern auch ein marokkanisches Kind und zwei arabische Schüler. Die Hintergründe der Kinder sollen so bunt sein wie ein Regenbogen, sagt Kemal Türk vom Verein "Akademischen Plattform", der neben der Schule das Nachhilfezentrum "Harmonie" betreibt.

Öznur Eser, 37 Jahre alt, in Deutschland in einer türkischstämmigen Familie geboren und deutsche Staatsbürgerin, hat vergangenen Herbst die erste Schulleiterin Seminur Özdemir abgelöst. Sie hat früher sechs Jahre in staatlichen Schulen gearbeitet, die "Regenbogen"-Idee gefiel ihr sofort. Sie fühlt sich hier richtig, weil sie beide Kulturen kennt und weiß, wie man türkische Eltern erreicht. Eine "Elternschule" bietet regelmäßig Vorträge an.

Auf ihrer Homepage wirbt die "Regenbogen-Schule" mit Schlagworten wie individuellem Lernen, viel Bewegung und Projekten. Vor allem aber ist die Atmosphäre besonders, sagt Tobias’ Mutter. Sie und ihr Sohn hatten sich sofort wohl gefühlt, als sie zu einem Tag der offenen Tür kamen. "Es ist alles so klein und familiär hier und strahlt so viel Ruhe aus" – das fand sie an keiner anderen Schule. In Tobias’ Klasse sind 13 Kinder, er bekommt alle Förderung und Zeit, die sich seine Mutter für ihn gewünscht hat. Wenn es etwas zu klären gebe, sei das kein Problem: Zum Beispiel wollte Tobias anfangs beim Mittagessen manches, das er nicht kannte, lieber nicht ausprobieren. Es wird von einer Frau täglich für die Schule gekocht.

Inzwischen schmeckt es Tobias – und falls er möchte, kann er auch die Mittagsgerichte der Kita "Villa Kunterbunt" nutzen, wo die "Regenbogen"-Kinder zum Essen hingehen. Für Tobias und Pascal ist es normal geworden, dass die anderen als Muslime kein Schweinefleisch essen. Wenn Pascal Süßigkeiten für alle mitbringt, fragt er erst seine Lehrerin Ulrike Hetzmüller, ob da Schweinegelatine drin ist – Rücksichtnahme gehört zum Alltag.

Umgekehrt bemüht sich die Schule, christlichen Religionsunterricht zu organisieren, das ist für Tobias’ Mutter wichtig. Tobias ist katholisch und soll in zwei Jahren Kommunion feiern. Bisher gibt’s Religion überhaupt nicht als Schulfach.

 Fr, 08. März 2013 Veröffentlicht in der gedruckten Ausgabe der Badischen Zeitung, von: Anja Bochtler

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